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WAS TUN NACH EINER VERGEWALTIGUNG

Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ist in Deutschland gesetzlich verankert. Gleichzeitig erleben Frauen Tag für Tag Angriffe, die sie als Frau verletzen. Diskriminierung, Belästigung, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sind Probleme unserer Gesellschaft, die vorrangig auf dieser Ebene wirkungsvoll bekämpft werden müssen. Frauen wehren sich oft mit Erfolg gegen Angriffe.
Trotzdem kann jede Frau Opfer einer Vergewaltigung werden.

Es gibt viele Wege, eine Gewalttat zu überwinden. Wir unterstützen Sie dabei, Ihren eigenen Weg zu finden. Viele Frauen, die zu uns kommen, haben lange mit niemandem über die Tat gesprochen und sich damit zunehmend einsam gefühlt. Gründe für das Schweigen sind Angst vor Ablehnung und Scham oder das Gefühl, sie hätten selbst dazu beigetragen. Ein Grundsatz unserer Beratung ist, dass ausschließlich der Täter für den Übergriff verantwortlich ist.

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ZUR ÄRZTIN GEHEN

Es ist in jedem Fall sinnvoll , innerhalb von 24 stunden eine Gynäkologin aufzusuchen, um mögliche Verletzungen versorgen zu lasen sich auf Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten untersuchen zu lassen sich über die Möglichkeit eines HIV-Tests zu informieren sich eventuell die "Pille danach" verschreiben zu lassen zu fragen, ob Spuren und Untersuchungsergebnisse für den Fall einer späteren Anzeigenerstattung dokumentiert werden können (keine Pflichtleistung) Als weitere Beweismittel sollten Sie Kleidung, Wäsche und Gegenstände, die Spuren der Gewalttat aufweisen, in Papiertüten aufbewahren.

Neu in Berlin: Wenn Sie noch keine polizeiliche Anzeige erstatten möchten, kann eine vertrauliche Spurensicherung über die Gewaltschutzambulanz durchgeführt werden.  Die VSS (Spurensicherung ohne polizeiliche Anzeige nach sexualisierter Gewalt)  findete dann in in den Rettungsstellen der Charité in den ersten 72 Stunden nach der Tat in der Zeit von Montag - Freitag, 8:00 - 18:00 Uhr statt. Vereinbaren Sie dazu unbedingt einen Termin unter 0 30 450 570 270 und bringen Sie Ihre Krankenversicherungskarte und Ihren Personalausweis / Pass oder ein anderes Ausweisdokument mit.
Die  DNA-Spuren werden für ein Jahr gelagert, in dieser Zeit können Sie eine Anzeige erstatten und die Polizei kann die Spuren dort abholen. Danach werden die Beweismittel entsorgt.

ANZEIGE BEI DER POLIZEI

Sexuelle Gewalt (auch in Ehe oder Partnerschaft) ist ein Verbrechen. Sie haben das Recht, Anzeige zu erstatten, die Polizei muss Sie anhören und eine Ermittlung einleiten. Die Vernehmung kann mit Hilfe einer Übersetzerin durchgeführt werden. Auf Wunsch können Sie von einer Frau vernommen werden.

Wenn Sie unmittelbar nach der Tat Anzeige erstatten, kann die Kriminalpolizei Sie zur ärztlichen Untersuchung bringen. Körperliche Verletzungen werden oft direkt bei der Polizei mit Fotos dokumentiert.

Um Anzeige zu erstatten, können Sie:
direkt zur Kriminalpolizei gehen, dann vermeiden Sie mehrfache Befragungen. Zuständig ist die Abteilung für Delikte am Menschen, LKA 413 in der Keithstraße 30, Berlin-Tiergarten. Dort findet eine ausführliche Vernehmung statt und die BeamtInnen leiten eine Ermittlung ein. Wenn Sie erst bei einer anderen Dienststelle Anzeige gemacht haben, werden Sie danach zur Kriminalpolizei vorgeladen.

  • die Polizei unter 110 anrufen oder zur nächsten Polizeidienststelle gehen
  • oder sie erstatten bei der Staatsanwaltschaft Anzeige
  • Sie können bei der Polizei auch eine schriftliche Aussage abgeben
  • Lädt die Staatsanwaltschaft oder das Gericht Sie vor, müssen Sie persönlich aussagen.

Je nach Schwere des Deliktes kann eine Anzeige nicht mehr zurückgezogen werden. Die Verfolgung liegt dann im öffentlichen Interesse (Offizialdelikt). Deshalb ist es gut, wenn Sie selbst die Entscheidung über eine Anzeige treffen.

Sie können sich vorher z. B. bei LARA informieren, denn eine Anzeige muss nicht sofort nach der Tat erfolgen. Vergewaltigung z.B. verjährt erst nach 20 Jahren.

Wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt, sind Sie als Zeugin sehr wichtig, bitte lassen Sie sich in der Rechtsberatung bei LARA beraten, damit Sie ggf. durch eine erfahrene Anwältin in der Nebenklage vertreten werden. Die Aussage in Anwesenheit des Beschuldigten kann äußerst belastend für ein Opfer sein, daher bietet LARA psychosziale Prozessbegleitung durch eine speziell qualifizierte Mitarbeiterin an.

ZEIT ZUM HEILEN

Eine Vergewaltigung, ganz gleich, ob durch einen Fremden oder einen vertrauten Menschen kann einen Schock auslösen.

  • Sie können sich für Stunden bis zu einigen Tagen aus Ihrem normalen Leben herausgeworfen fühlen
  • Sie sind möglicherweise ständig unruhig und angespannt, niedergeschlagen oder erschöpft. Vielleicht fühlen Sie sich wie erstarrt und betäubt.
  • Auch wenn der Schock abgeklungen ist, können immer wieder Symptome wie Angst, Schlafstörungen und Albträume auftreten.

All diese Gefühle sind normal und gehen meist nach einigen Wochen bis Monaten von selbst wieder zurück. Eine Umgebung, in der Sie sich sicher und aufgehoben fühlen, ist dabei hilfreich.

Ihr Körper und Ihre Seele brauchen Zeit, um sich darauf einzustellen, dass die Gefahr vorüber ist.

Vielleicht achten Sie jetzt besonders auf Ihre Bedürfnisse, oder erinnern sich daran, was Ihnen früher in Belastungssituationen oder Krisen geholfen hat.

Auch Angehörige, PartnerInnen und FreundInnen können Sie darin unterstützen.

WICHTIGE TELEFONNUMMERN

Polizei / LKA 13 4664 - 0

Staatsanwaltschaft beim Landgericht 9014 - 0

Institut für Rechtsmedizin der Charitè 901728145

Büro für medizinische Flüchtlingshilfe 6946746

BIG-Hotline (häusl. Gewalt) 6110300

RETTUNGSSTELLEN EINIGER BERLINER KLINIKEN

Charitè Campus Mitte 450531000
Luisenstraße 65/66 10117 Berlin

Klinikum Campus Benjamin Franklin 84453015
Klingsorstraße 107, 12203 Berlin

Vivantes Klinikum Neukölln 130143102
Rudower Straße 48, 12351 Berlin

Vivantes Klinikum Hellersdorf 130172112
Myslowitzer Straße 45, 12621 Berlin